SG | SD

Zeena Parkins + Holger Friese 09|11|10 – 04|12|10

 SGSD  
Als erste Zusammenarbeit der New Yorker Komponistin und Multiinstrumentalistin Zeena Parkins und dem Berliner Künstler Holger Friese zeigt die ES contemporary art gallery die Installation SG / SD. Die Installation reflektiert die Kristallnacht, die am 9. November 1938 von den Nationalsozialisten inszeniert wurde. Die entsetzlichen Handlungen markierten den Beginn der systematischen Verfolgung der jüdischen Gemeinschaft. Das zentrale Element der Installation ist eine Schallplatte, die durch die Künstler_innen produziert wurde. Auf der A-Seite ist Ekhe?, eine Sonic Meditation von Zeena Parkins zu hören. Die Komposition basiert auf Feldaufnahmen, welche die Künstlerin im Frühjahr 2010 in Berlin aufzeichnete. Die B-Seite beinhaltet 13 Stücke, welche jeweils als Endlosschleifen geschnitten sind. Die Stücke bestehen aus Sinustönen, aufsteigend von 3300 Hz bis 4500 Hz, wobei jede Rille ein Jahr des Nazi Regimes (1933 – 1945) repräsentiert. Für die Komposition Ekhe ? besuchte Zeena alle Plätze Berlins, an denen sich im Jahr 1938 Synagogen befanden, das lebendige jüdische Leben dieser Zeit markierend. Dort nahm sie die gegenwärtigen Klangräume auf. Die Synagogen, von den Nazis während der November Pogrome niedergebrannt und in den Folgejahren dann abgerissen, haben heute – 72 Jahre später – oft eine komplett andere Funktion als damals: Sie sind Parkplatz, Spielplatz, Wohngebäude oder Lebensmittel- geschäft. Die meisten Synagogen sind zerstört worden und nur die inzwischen dort angebrachten Erinnerungstafeln verhindern ihr Vergessen. Die akustische Präsenz der Plätze ist somit – im Vergleich zu den Jahren vor 1938 – komplett entstellt oder zumindest stark verändert. Gibt es noch in der Luft stehende erkennbare Tonfragmente, welche hartnäckig die Zeit und die grausamen Gewalttaten überdauert haben? Vielleicht ist dort auch nichts mehr, außer der simplen und brutalen Nicht-Existenz, die alles verdrängt hat. Zeena Parkins untersucht und reflektiert die akustischen Spuren einiger der Synagogen die in der „Kristallnacht” zerstört wurden. In den Tönen des Stadtraums Berlins der Jetztzeit sucht Parkins nach den hörbaren Geistern (sonic ghosts): Einem Echo, einem akustischen Andenken, einem gesetztem Nachhall dieser fürchterlichen Nacht. Im Galerieraum installiert Holger Friese 13 Rauchmelder (smoke detectors) unter der Decke. Rauchmelder werden üblicherweise durch Feuer aktiviert. Diese Rauchmelder hingegen wurden durch Friese so manipuliert, dass sie auf Bewegungen der Besucher_innen im Galerieraum reagieren. So ausgelöst überlagern ihre unangenehmen Töne Zeena Parkins Komposition. Diese kurzen akustischen Störungen referenzieren auf das Verhalten der Schaulustigen – die Brandstiftung durch die SA/SS wurde durch eine gaffende oder gar klatschende Menschenmasse begleitet und unterstützt – während der Pogromnacht. Der – bis auf die Rauchmelder – leere Hauptraum der Galerie kann somit für die Besucher_innen zu einer dichten und möglicherweise auch verstörenden Erfahrung werden: Sie selbst sind es, die durch ihre Bewegungen Störgeräusche verursachen. Die Leere eröffnet Zeit und Raum, um sich mit der Pogromnacht und den Positionen der Beteiligten auseinander zu setzen. Im kleinen Galerieraum wird die nötige Technik sichtbar: 14 Schallplattenspieler mit sich drehenden Schallplatten. Auf einem Schallplattenspieler läuft die A-Seite mit 45 Umdrehungen pro Minute und spielt die Komposition Ekhe ? von Zeena Parkins im auto repeat Modus ab. Auf 13 Schallplattenspielern läuft die B-Seite mit 33 Umdrehungen pro Minute und spielt die verschiedenen Sinustöne ab. So schließt sich der Kreis, mit der Hilfe von gebraucht bei ebay gekauften „Soldaten” die zum Appell angetreten sind. Lebt und arbeitet in New York Download PDF  

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