VERHÄLTNISMÄßIGGUT

Erich Kofler Fuchsberg 27|01|11 – 19|02|11

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Was sehen wir in Bildern, deren Bedeutung uns nicht über das Wiedererkennen zur Verfügung steht - die nicht rational gelesen werden können, deren Macht aber nach wie vor in uns wirksam ist? Haben wir ein inneres Archiv und wie funktioniert es? In seiner Ausstellung beschäftigt sich der Künstler Erich Kofler Fuchsberg in einer Serie von Zeichnungen und Grafiken mit der Reduktion archetypischer bildlicher Konstellationen auf ihre rein formale Struktur. Wer ein Bild betrachtet, sieht zwangsläufig andere Bilder mit. Sehen ist – evolutionär gesehen – auf das Wiedererkennen programmiert: wann immer wir sehen, suchen wir unser internes Bilderarchiv nach Bekanntem ab. Was wir erkennen, hängt von diesem Archiv an gespeicherten visuellen Informationen ab, die wir mit anderen teilen und die über Generationen hinaus weit in die Wurzeln einer Kultur hineinreichen. Die Kultur des Sehens ist in erster Linie eine kollektive Angelegenheit. Doch was sehen wir in Bildern, deren Bedeutung uns nicht mehr über das Wiedererkennen zur Verfügung steht, die mit unserem kulturellen Horizont nicht mehr gelesen werden können, deren Macht aber nach wie vor in uns wirksam ist? Wir kennen ihren Inhalt nicht mehr, aber wir erkennen sie wie in der platonischen Liebe die Liebenden sich vom Leib entbunden erkennen. Daran schließen sich Fragen an wie: Was ist ein internes Archiv, in welchem Verhältnis stehen seine Bilder zu Erinnerung, Identität, Geschichte und nicht zuletzt Politik? Als unermüdlicher Forscher und Frager lässt sich Erich Kofler Fuchsberg von seiner Neugier bereitwillig überall hin locken. Im Zentrum seiner Kunst steht die Zeichnung. In der Grammatik der Punkte, der Striche, der Kürzel, der Chiffren lässt er ein Geflecht aus Verbindungen, Verhältnissen, Gegensätzlichkeiten, Wechselwirkungen und Abhängigkeiten entstehen. Doch letztlich geht es gar nicht um das Zeichnen an sich, sondern darum, zu erproben, wie Strukturen, Situationen, Bilder und Texte sich zueinander verhalten und wie sie verändert werden können. Sein Interesse gilt der Befragung und der Reflektion von Kunst als Ort der Verwandlung und Imagination, der Herstellung von neuen Verhältnissen. In der Ausstellung „Verhältnissmässig gut" in der Galerie Erwin Seppi setzt er sich mit unterschiedlichen Verhältnissen und Konstellationen, unter anderem mit Andachtsbildern auseinander. Die auch Vesperbilder genannten Darstellungen zeigen Maria als Mater Dolorosa mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus und gehören zu den wirkungsvollsten Bildfindungen des Mittelalters. Fuchsberg extrapoliert aus dem Verhältnis von Mutter und Sohn, eines der wichtigsten Motive der Kunstgeschichte, die rein formale Struktur ohne religiösen Hintergrund. Aus den wichtigsten kompositorischen Sichtpunkten filtert er eine Konstellation von Punkten heraus, die auf den ersten Blick auf nichts zu verweisen scheint, uns aber auf einer tieferliegenden Ebene anzusprechen vermag. Man könnte sagen, die Filteroperation lässt eine neutrale Grundform zurück, die zur Sichtbarkeit bringt, was nicht sichtbar, aber wirksam ist. Diese Struktur gestattet es, die Bilder an jenen Punkt zu treiben, an dem ihr Inhalt völlig entleert wird und nur noch ihre emotionalen Verhältnisse übrig bleiben. Gleichzeitig sind die Punkte, die zeichnerisch den Übergang vom Nichts zu Linie definieren, auch die Möglichkeitsform neuer Gestaltungen. Aus der extremen Reduktion entstehen auf Zeichnungen, Computerbildern und Drucken neue Codierungen und Bewertungen. Heinrich Schwazer Download PDF

Harry Thaler 09|12|10 - 23|12|10

In his work "Hang it on the wall", the designer and artist Harry Thaler reflects the end of the incandescent light bulb.

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