They Do The Act I Play The Tune

Martin Gostner 23|04 – 21|05|15

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Ableitungen aus Erker5_ All Follies Loose When Cotton Rules_Wirkliches Cannae Lago di Sangue Castelluccuio Valmaggiore_11_06_11 Nach einer erfolgreichen Serie von Einzelausstellungen in den beiden letzten Jahren, in welchen sich neben jungen Positionen auch renommierte Künstler wie z.B. Manfred Alois Mayr, Krüger & Pardeller sowie Siggi Hofer mit neuen Arbeiten präsentierten, beginnt die es-gallery in Meran ihre heurige Ausstellungtätigkeit mit einer Einzelausstellung des Tiroler Künstlers Martin Gostner. Gostner wurde 1957 in Innsbruck geboren, er lebt und arbeitet in Düsseldorf und Innsbruck. Seit 2004 bekleidet er eine Professur für Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Im Sommer 2011 begab sich Martin Gostner auf die Suche nach jenem Ort, an dem im Jahre 216 v.Chr. in der Schlacht von Cannae das karthagische Heer unter Hannibal die zahlenmäßig überlegenen Römer besiegte. Entgegen der offiziellen italienischen Geschichtsschreibung wurde Gostner auf einer apulischen Hochebene bei Castelluccio Valmaggiore fündig, welche heute noch von den Einheimischen als „lago di sangue“ bezeichnet wird. Diesen historisch wichtigen, aber nicht offiziell anerkannten Ort kennzeichnete Martin Gostner mit einer in-situ Intervention, welche sich einreiht in einen seit 2001 fortlaufend weiterentwickelten Werk-Komplex unter dem Titel „Erkerkultur“. Martin Gostner bespielt historische Orte mit skulpturalen und installativen Werken, deren inhaltlicher Zugang eine Auseinandersetzung mit den jeweiligen historischen Gegebenheiten des Ortes ausmacht. Dabei geht es Gostner darum, anhand einer sehr persönlichen Zugangsweise Spuren von Erinnerung aufzugreifen, um damit einen neuen Prozess des Umganges mit geschichtlichen Ereignissen in Gang zu setzen. Der Erker im wirklichen Cannae wurde von Gostner mit dem Titel „All Follies Loose When Cotton Rules“ (Alle Torheiten sind losgetreten wenn die Watte regiert) versehen, und ist Erker Nr.5 der fortlaufenden Serie. Als Raummetapher steht der Erker für eine Verbindungsstelle zwischen einem Innen und einem Außen. Bei Martin Gostner soll hiermit eine Kultur des Umganges mit Geschichte möglich werden, welche persönliche mit kollektiven Erinnerungen verknüpft, und wo Wissen und Empfinden aus unterschiedlichsten Quellen, Zeiten und Räumen zusammengeführt wird. Die Recherchen beinhalten Gespräche mit Bewohnern jener Gegenden genauso wie das Studium der historischen Schlachtpläne und wissenschaftlicher Literatur, aber auch dokumentierende Zugangsweisen. Dabei fließen stets auch emotionale und autobiografische Momente mit ein. Dadurch entsteht ein Netzwerk aus vielfältigen Inhalten und Wissensfragmenten, aus dem heraus sich das künstlerische Werk von Martin Gostner in Form von Skulpturen, Objekten, Fotografien, textlichen Elementen, Installationen oder Materialkompositionen entwickelt. Dies wiederum ist Ausgangsmaterial für die Ausstellung, welche in der es-Gallery stattfindet, und welche eine „Ableitung“ des Erkers 5 bzw. eine Fortführung innerhalb des Ausstellungskontextes darstellt. Hauptobjekt des kleinen Ausstellungsraumes ist eine Skulptur eines panierten Teufelchens mit Fiedel, in Anlehnung an den Titel der Ausstellung, sinngemäß übersetzt mit „sie begehen die Taten, ich spiele dazu“. Konzentrisch auf das Objekt zulaufende Pfeile kennzeichnen die magische Anziehungskraft dieser symbolischen Figur. Im Hauptausstellungsraum hingegen befindet sich ein Wattefeld mit dem Titel „Cotton Rules“ an der Wand, weiters die Arbeit „ All Follies Cured“, ein Tisch mit Pinseln in verschieden Farbkübeln, welche mit Begriffen versehen sind, die einige der menschlichen Torheiten beschreiben. An der gegenüberliegenden Wand auf Jute ein großer Plan der Schlacht von Cannae, versehen mit Sätzen, welche diese Torheiten auf jenen Farbtöpfen aufzulösen vermögen. Zwei Fotografien des Ortes der Schlacht bzw. von Skizzen zum Erker begleiten den Besucher in die Ausstellung. Martin Gostner’s Arbeiten stellen Verdichtungen symbolischer Bedeutungen dar, welche häufig von widersetzlichen sinnlichen Erfahrungsmomenten geprägt sind. Die Materialität der Objekte spielt dabei eine zentrale Rolle. Die panierte Skulptur genauso wie auch das Material Watte usw. stellen konzentrierte Sinneswahrnehmung dar, stets in Spannung zwischen wohligen Erinnerungen und deren vergänglichem oder auflösendem Aspekt. Durch unkonventionelle Verknüpfungen von geschichtlichen Fakten mit philosophischen und psychologischen Fragestellungen führt er uns ein Denksystem vor Augen, das von einem sehr persönlichen Ansatz geprägt ist, jedoch immer aus einem kollektiven Wissensschatz heraus abgeleitet wird. In diesem vielfältigen Fundus an Themen sind wir aufgefordert, uns auf unsere eigene Wahrnehmung und die Ordnungssysteme unseres inneren Radars einzulassen. So können uns diese „Erker“ also Orte des Verknüpfens von inneren und äußeren Welten dazu ermutigen, die Dinge neu, auf je eigene Weise, zu betrachten, ordnen und verstehen. download | pdf

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