SCHÖN SCHWARZ

Maria Stockner 06|04|10 – 29|05|10

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Die Farbe Schwarz wirkt feierlich, geheimnisvoll und stark, wer Individualismus und Introvertiertheit darstellen will, trägt Schwarz. Würdevoll und unnahbar wirken jene, die sich in tiefes Schwarz kleiden: ein Symbol der Macht. Als Kleidungsfarbe gab es Schwarz für alle erst nachdem der Färbevorgang von Stoffen nicht mehr so aufwendig und damit teuer war, und daher ehemals den Adeligen und dem Klerus vorbehalten. Das Volk trug braun und grau, an Festtagen bunte Kleidung, wer feines Schwarz trug, hatte Geld und hob sich von der Menge ab. In Maria Stockners Arbeiten trifft man auf Schwarz in vielfältiger Anordnung. Im „Muttergewand“ die Stoffflicken aus Futterseide, Chintz und altem Samt, in Handarbeit aufgenäht auf ein neueres großes Tuch, dies ebenfalls schwarz und also Schwarz als die Farbe der Mutter, der Großmutter, der Frauen von früher. Aber wie gesagt: Nicht in ihrer Alltagskleidung, sondern zu festlichen Gelegenheiten innerhalb der Familie und an den Sonn- und Feiertagen im liturgischen Kirchenjahr. In einem Ausnahmezustand vom Alltag wurde das schönste Schwarz gezeigt, das man besitzt und auf Fotografien festgehalten, weil der Anlass ein besonderer war. Diese Besonderheit fängt Maria Stockner in ihren Werken ein: die Stoffstücke die sie in vergessenen Truhen auf Dachböden fand, die silbernen und bleiernen Knöpfe aus dem Nachlass ihres Vaters, Rosenkranzperlen, Schmuckmuscheln, gedrechselte Holzarbeiten und Tür-, Fenster- oder Schatullenschlösser. Sie verwebt und verwerkt die alten Versatzstücke zu neuen Konstrukten, die einerseits sehnsüchtig die vergangene Formenwelt beschwören, andererseits in ihrer neuen Anordnung auf die eigene Geschichte verweisen. Das eigene Künstlerinnendasein als eine Folgegeschichte von nicht-ruhenden Frauen und die Reflexion-suchenden Männern. Die Liebe zum Detail, zum Handgenähten, zur Beschäftigung mit Stoffen und kleinen Objekten sind die äußeren Markenzeichen der Kunst von Maria Stockner. In dieser Ausstellung wird die Kunst Maria Stockners auf erstaunlich vielfältige Art gespiegelt und facettiert. Das Heraufholen der vielen Einzelteile aus einem vergangenen Zeitraum zeigt die Beschäftigung mit der eigenen Genealogie, der Familiengeschichte; diese wiederum spiegelt sich in den Ausstellungsobjekten: in den aufwendigen Stoffarbeiten und den akkuraten Bleistiftzeichnungen von Alltagsgegenständen wie Stühlen, Schüsseln oder Lampen als Reminiszenz an deren Werthaftigkeit. Die Zeitgenossenschaft muss man aus Maria Stockners Werk nicht herausfiltern, sie ist das was den Betrachter unmittelbar trifft, gerade weil mit Geschichte und Erinnerung gearbeitet wurde. Die Faszination an einer zeremoniell geprägten Symbolwelt wird im Spiel und im Experiment erneuert, mit einem untrüglichen Gespür für Komposition und Verdichtung. Christine Helfer Geboren 1964 in Brixen (I), Studium an der Accademia di Belle Arti Brera Mailand, lebt in Brixen Download PDF  

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