PICCOLO POPOLO

Kiril Cholakov 16|09|10 – 09|10|10

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PICCOLO POPOLO ist der Titel des Projektes von Kiril Cholakov, das eigens für die Erwin Seppi contemporary art gallery in Meran kreiert wurde. 4000 mit der Hand ausgeschnittene, schwarze Kartonfiguren, strömen in hunderter Gruppen in den Raum der Galerie zusammen,  bilden nach Eindringen des Lichtes Gruppen, und vermitteln Vitalität, Sensualität und Leidenschaft. Kiril Cholakov, ein bulgarischer Künstler, der seit Jahren in Rimini lebt und sich in seinen Recherchen Themen, welche die  innere “Verwirrtheit” betreffen, widmet, schafft für seine erste Ausstellung in Meran eine Sammlung heidnischer Symbole und Gesten, die dazu dienen, Gefühle zu vermitteln. Und dies durch den Gebrauch von Papier, einem vielseitigen Material, und einer Reihe von Schattenspielen, einem typischen Element der Forschung und der symbolischen Konstruktion. Die Schatten in den Werken von Kiril Cholakov, sind Träume, Gedanken über das Mysterium, das Änigma. “Der Schatten ist unser Anderes’, - unterstreicht der Künstler selbst – ein geheimnisvolles und flüchtiges Objekt/Subjekt des Begehrens und Ablehnens, ein Versuch, die Unmöglichkeit Umrisse nicht darstellbarer Dinge zu zeichnen, auszudrücken. Eine Grenzsituation und ein stiller Konflikt zwischen der dargestellten Welt und der gegenwärtigen Zeit” (zwischen der Darstellung der Welt und der faktischen Realität). Die Welt des Schattens von  Kiril Cholakov stellt eine Symbolwelt zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts dar.  Genauso wie der expressionistische Film durch das Spiel von Licht und Schatten eine starke Wirkung erzielt, benutzt Kiril Cholakov schwarze Schablonen um kleine Fantasiewelten im Inneren der Galerie zu schaffen. Die, in einer unmöglichen Position zusammengefalteten Figuren,  verwandeln sich in schlafwandlerische Proto-Menschen. Ein Versuch, Umrisse nicht darstellbarer Dinge zu zeichnen, ein besonderes Interesse an der Zweideutigkeit des Begehrens und an all jenem, das dem Licht entgeht. Die Installation von Kiril Cholakov bezieht sich auf den balkanischen Mythos des Vampirismus; in der Galerie verwandeln sich die Figuren in eine Art Fledermaus-Kolonie, das Kleine Volk, il piccolo popolo (wie es der Künstler nennt), eine “blasse und elegante Aristokratie mit Mantel”. Cholakovs Vampire sind keine Monster mehr, doch betrübte Ehrenmänner, die die “Liminalität” der menschlichen Erfahrung ergreifen. Limen bedeutet in Lateinisch die unsichtbare Linie, die das Innere vom Äußeren trennt und vereinigt und metaforisch den flüssigen Durchgang ins Innere verschiedener symbolischer Universe ermöglicht. Der Vampir ist eine Kreatur, die sich an der Grenze zwischen Leben und Tod, Imagination und Realität, dem Körperlichen und Unkörperlichen, dem Wunsch und der Notwendigkeit bewegt. Ein Grenzsubjekt, welches nur durch seine Darstellung und Erfahrung existieren kann, dessen Abbildung, jedoch, mehr eine performance, ein zweideutiges Element, ein Wagnis, ist und nicht eine Form, der man definitive Umrisse geben kann. Wie bei den “tenetz” (traditioneller Name der Vampire in der Donau-Gegend), die in den Werken des bulgarischen Schriftstellers Iordan Radichkovil auftreten, ist der Körper eine vorübergehende doch gleichzeitig wesentiche Bedingung, genauso wie die Schatten von Cholakov die Konstruktion und die Anerkennung der Idee des “Subjekts” im Inneren einer Kultur und einer Sprache in Diskussion setzen. Vielleicht beschränken sich  Cholakovs Schatten aufgrund ihres archetypischen Rufs nicht nur auf den Reflex einer Oberfläche, sondern verwandeln sich in eigene glanzlose Körper, die sich zwischen einer Lichtquelle und dem beleuchteten Objekt stellen; unklare oder nur undeutlich skizzierte Figuren, die Mißverstehen, Neugierde und Verdacht schöpfen. Der Schatten verzerrt die reflektierenden Figuren je nach Licht und Raum in den sie projeziert werden. Kiril Cholakov reflektiert auf diese Weise über die mobilen Realitäten, die den Alltag mit dem Universellen vereinen. Die Unzahl von Schablonen verwandelt sich in eine kreative Etappe, welche die Möglichkeit ausländische Einflüsse zu assimilieren, die Fähigkeit zu den eigenen Wurzeln zu finden und die Suche nach der individuellen Verantwortung vereint. Katia Anguelova Geboren 1964 in Sofia (BULG), lebt und arbeitet in Rimini download PDF

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