FRONTLINE

Hannes Gamper 31|03 - 30|04|2016

web585-big
Die Installation von Hannes Gamper konfrontiert uns mit der dramatischen Situation von Flüchtlingen auf dem Weg nach Europa. Der Flüchtlingsstrom hält Europa in Atem: Menschlich, politisch, wirtschaftlich. Während die Politik Zäune errichtet, sammeln Privatpersonen Spenden, stellen Schlafplätze zur Verfügung, organisieren Erstversorgung - doch es gibt auch das Gegenteil davon: Angst, Hass, Gewalt und vergiftete politische Debatten. Wie kann Kunst in dieser dramatischen Situation reagieren und agieren? Es gehört nicht zu ihren Aufgaben, Sozialarbeit zu leisten, aber um die Frage, wie sie sich engagieren kann, kommt sie nicht herum. Es bleibt eine Frage, denn Kunst ist ihrem Wesen nach immer engagiert, aber sie ist, wenn sie gut ist, auch immer ambivalent. Statt einfache Antworten zu geben, verschärft sie die Konflikte. Auch mit sich selbst, denn allzu leicht gerät die Kunst dabei in die Gefahr, das Flüchtlingsthema nur zu benutzen oder auszustellen: Am Elend anderer schmarotzen, sagt man dazu. Der chinesische Künstler Ai Weiwei musste jüngst viel Kritik und Häme einstecken, als er sich am Strand der griechischen Insel Lesbos in der Haltung des toten Flüchtlingskindes Aylan Kurdi fotografieren ließ.   Der Künstler Hannes Gamper hinterfragt die dramatischen Ereignisse mittels einer Installation aus zerschnittenen Schlauchbooten und Bootsresten. Das Material führt direkt in den Alltag flüchtender Menschen. Die Boote der Flüchtlinge werden nach der Landung von der Küstenwache zerschnitten und zerstört, damit sie für andere Fluchtwillige (und Schlepper) nicht mehr zur Verfügung stehen. Gamper wiederholt diesen Vorgang in der Galerie, doch die Mimikry an das reale Geschehen will nicht Ähnlichkeit vortäuschen, sie ist Mittel zum Zweck, um die Schrecken der Überfahrt mit den Schrecken der Rettung auf europäischem Boden traumatisch kurzzuschließen. Boote und Schiffe sind seit der Arche Noah und der Odyssee Symbole der Hoffnung und Heimkehr - was umgekehrt bedeutet: Jedes in Europa zerstörte Boot ist eine zerstörte Hoffnung in Afrika oder dem Nahen Osten. Das Material schneidet Gamper in eine Form, die an das Mittelmeer erinnert. Damit wird das rettende Boot zum Hindernis, das es bei der Überfahrt zu überwinden gilt. Text: Heinrich Schwazer Vernissage:  31|03|2016     19h Grußworte: Landesrat Philipp Achammer Einführung: Heinrich Schwazer download | pdf

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.