100 CLOUDS project

Christian Martinelli 01|10|09 – 25|10|09

 christian
Das Projekt von Christian Martinelli gehört zu jenen gesunden Utopien, welche die Kunst seit je her prägen. Der Versuch, die Evaneszenz und die Transitorität dieser federleichten Himmelbewohner auch nur für einen Augenblick einzufangen, kann als etwas Unmögliches erscheinen. Doch es muss wahrscheinlich so sein, denn eine Vielzahl von Künstlern hat gerade durch die Kunst und die Art des Beobachtens versucht, das Geheimnis der Wolken, ihre Seele bestehend aus Wasser, Himmel und Staunen, zu erkunden. Dies ist auch der Grund wofür Martinelli viel gereist ist, tausende von Kilometern hinter sich gebracht und Orte gestreift hat, in denen die Wolken eine Einheit mit der Umgebung bilden. Das Resultat dieser langen Recherche, ist die Entdeckung, dass der exotische Aspekt der Geografie mit der Beobachtung der Dinge, die wir vor unseren Augen haben, eng in Verbindung steht. Es trifft wahrhaftig zu, dass es geografische Breiten gibt, die den Wolken verschiedene “Interpretationen”, faszinierende Einzigartigkeiten, vermitteln. Gleichermaßen stimmt es, dass man auch nur im Stehen und dem einfachen “in den Himmel schauen”, einmalige und außerordentliche Begegnungen machen kann. Wieviele Wolken sehen wir von unserem gewöhnlichen Standpunkt, aus unserem Zimmerfenster? Das Beobachten ist eine Zen-Übung, die uns zur Meditation und zur Berücksichtigung der Abwesenheit der Zeit zwingt. Christian Martinelli hat eine metaphysische Reportage realisiert; die Zeit ist beinahe abwesend, da der Raum aufhört, ein sicherer Bezugspunkt zu sein. John Ruskin schreibt, dass es sehr schwierig ist, Wolken abzubilden; die meisten Künstler stellen sie zu “hart”, fast wie Steine, dar, andere wiederum zu leicht, als würde es sich um einen Nebelhauch handeln. John Constable hat, bereits vor seinem Landsmann Ruskin, diesen Luftelementen der Natur unendliche Studien und Zeichnungen gewidmet. Christian Martinelli hat es durch die Fotografie geschafft, die Magie und das Geheimnis dieser einfachen Elemente der Natur, die durch den Menschen nie zähmbar sein werden, darzustellen. Er hat den einfachsten und zugleich fragilsten Elementen des Universums Zeitlosigkeit verleiht. Valerio Dehó Geboren 1970 in Meran (I), lebt und arbeitet in Meran.

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