Родина [Rodina]

Katerina Kuznetcowa & Alexander Edisherov 24 | 05 – 22 | 06 | 13

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Родина das russische Wort für Heimat. Ein Begriff der universelle Werte beschreibt und gleichzeitig individuell verstanden wird. Zugehörigkeit und Grenzenlosigkeit werden in Meraner Innen- und Außenräumen künstlerisch festgehalten.„Katerina Kuznetcowa und Alexander Edisherov arbeiten seit geraumer Zeit gemeinsam, gewissermaßen unter einem einheitlichen Label. Mithin: Sie pflegen eine künstlerische Minderheitentradition. Aber sie stehen auch in einer weiteren Tradition, sich – wie bei den hier vorgestellten Werken – auf Vorgängerprojekte zu beziehen. Dies nicht als „Endlosschleife“, einer steten leichten Variation des Vorherigen, sondern mit ständigem Material- und Ortswechsel. „Die Arbeiten sind unter dem breit zu verstehenden Begriff ‚Muster’ angeordnet“, so die beiden Künstler. Einem Musterbuch – bekannt aus der Tapeten- und Stoffproduktion – folgen sie und ihre Werke jedoch nicht, entstanden die Vorarbeiten doch an sehr unterschiedlichen Orten, z. T. auch mit anderen Materialen – und nehmen dennoch Bezug aufeinander. “* Die Ausstellung wird sowohl in Galerieräumen als auch im öffentlichen Raum der Stadt Meran präsentiert werden. Als Erstes sieht der Zuschauer ein kleines schwarz-weißes Photo in einem Rahmen an die Wand, das  ein Haus im "Nirgendwo" zeigt, und eine Originalsitzbank aus Weißrussland. Die Installation stellt eine Art Erinnerungsbild dar, ein Bild, das ein verschwommener Abdruck davon ist, was wir als Kinder lernen, „Heimat“ zu nennen. Die Situation lässt absichtlich keine Möglichkeit, das Bild genauer zu betrachten. Es ist da, lässt sich aber nicht mehr detailliert erblicken. Es ist VERGANGEN. Der zweite  Raum lässt die Arbeit nicht nur visuell erleben, man kann sie auch schmecken -  auf einem Sockel liegt  ein Haufen Bonbons russischer Produktion. An den Wänden des Raumes steht das russische Wort " POДИHA" geschrieben, was „Heimat“ bedeutet. Hier geht es um  Abstraktes und Reales. Das Wort "POДИHA" ist ein abstrakter Begriff, der alles beinhaltet: Elternhaus und Staat, Kindeserinnerungen und Zugehörigkeit. Real sind dagegen die Bonbons, sie wecken direkte Assoziationen und Erlebnisse. Sie sind da und können gegessen werden. In der Galerie arbeiten die Künstler mit ihrem Erinnerungsmaterial. Draußen, im öffentlichen Raum, sprechen sie hingegen die Werte an, die universal sind. Auf dem Sparkassenplatz  wird eine Art mit Bändern durchwebte Wand installiert, die den Platz trennt und gleichzeitig einen Mittelpunkt erschafft. Das Muster, das entsteht, symbolisiert den Begriff "HEIMAT". Diese für den Betrachter eher dekorativen Elemente haben eine weitergehende spirituelle, kulturelle und religiöse Bedeutung. Verbinden sich hier zwei fast gegensätzlich wirkende Materialien und Ausdrucksformen zu einer neuen Einheit, die neugierig macht und nun der allgemeinen Spekulationen anheimfällt? Meran - eine Stadt, eine Region (Region, die bis heute gewisse Problematik hat), die sowohl für den deutsch- als auch italienisch-sprechenden Teil der Bevölkerung Heimat ist. Mit unserer Skulptur möchten wir ein universales  Symbol schaffen, das die beiden Bevölkerungsgruppen verbindet und nicht trennt, das Leben miteinander und nicht nebeneinander ermöglicht. Das Meraner Theater ist der dritte Platz unserer Arbeit. Zwei Hornlautsprecher werden an der Fassade des Theaters installiert. In regelmäßigen zeitlichen Abständen werden die vorgelesenen Gedichte auf drei Sprachen (Deutsch, Russisch und Italienisch) abgespielt, in denen um Begriff "WOLKE" geht. Bei unserer zweiten öffentlichen Skulptur sprechen wir über die allgemeinen menschlichen Werte. Die Wolken gehören keinem. Sie betreten und wieder verlassen jede bedenkliche Grenze und jedes Land. Sie sind überall. Alle Kulturen sehen in Wolken ein Symbol für Freiheit und „Leicht sein“. Sie stehen über uns und sind überall zuhause. In deren Arbeiten nehmen die Künstler eine Steigerung, die von deren Kindheitserinnerungen bis allgemeine menschliche Werte hinaufgeht. „Katerina Kuznetcowa und Alexander Edisherov dokumentieren mit ihren Insitu-Arbeiten eine ungewöhnliche Bandbreite inhaltlicher und ästhetischer Ausdrucksformen, um örtliche Besonderheiten und deren Geschichte und Architektur mit z. T. unerwarteten Materialien neu und überraschend zu akzentuieren, also ortsspezifische Besonderheiten mit etwas vorher kaum Denkbarem zusammenzuschweißen. Dahinter ist möglicherweise mehr verborgen, als es der Augenschein zunächst verrät. Die beiden Künstler geben kaum Statements zur Enträtselung ihrer eigentümlichen künstlerischen Konstellationen, über mögliche politische, soziale oder gesellschaftliche Phänomene oder Problemfelder. Sie bleiben einer reinen Ästhetik verpflichtet, variantenreich, manchmal augenzwinkernd, fantasievoll, manchmal auch Gegensätze symbiotisch verknüpfend. Und es ist die besondere Stärke der beiden Künstler, dass sie eine große Offenheit für die Interpretation ihres Werkes einräumen, dem Betrachter die Gelegenheit und die Freiheit bieten, auch weiterzuschauen, als es der ästhetische Augenschein offenbart, der allerdings selbst von großer Kraft ist. Die Freiheit der Kunst gilt ungeteilt nicht nur für die Künstler selbst, sondern auch für den Kunstbeobachter.“* * Martin Rehkopp „Kunst als Symbiose“, Viersen 2011 download | pdf

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